Gefangene helfen Jugendlichen
Am 27.09.2011 besuchten uns der Initiator des Projektes Gefangene helfen Jugendlichen Volker Ruhe (ein ehemaliger Häftling) in Begleitung eines sich im offenen Vollzug befindendem Häftlings. Sie stellten gemeinsam das mehrfach ausgezeichnete Projekt aus Hamburg in der BBS 3 vor.
Warum das Projekt?
Aggressionen hat jeder Mensch. Dies kann, muss aber nicht auch zu aggressivem Verhalten führen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Unbestritten tragen gesellschaftliche Benachteiligung, Selbstwertverletzungen und Frustrationen zur Entstehung von Aggressionen bei. Viele Jugendliche suchen durch Zuhilfenahme von Gewalt nach Selbstbestätigung. Sie verteidigen ihre Ehre, verschaffen sich Respekt, demonstrieren Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, stellen Hierarchien her und suchen Anerkennung.
Das Projekt in der Praxis
Ehemalige Haftinsassen vermitteln Schulklassen und Jugendgruppen welchen Preis sie für ihr kriminelles Verhalten zahlen mussten (z. B. finanzielle, berufliche, psychische Folgen). Zum besseren Verständnis für die Jugendlichen berichten sie von eigenen Erfahrungen, nutzen aber vor allem auch aktuelle Fragen und Probleme der Jugendlichen, die u.a. in einem Rollenspiel altersangemessen bearbeitet werden.
Ziele des Projektes
Das Ziel des Projektes ist es den Jugendlichen mit den negativen Auswirkungen von Gewalt und Kriminalität zu konfrontieren und die schwerwiegenden Konsequenzen zu verdeutlichen , die ein Absinken in die Kriminalität mit sich bringt.
Zusätzlich sollen den Jugendlichen die Konsequenzen eines Haftaufenthaltes vermittelt werden. Ihnen soll deutlich werden, dass die Zeit in der Haftanstalt viele Insassen an persönliche Grenzen führt, dass Angehörige von Inhaftierten Besuche in der JVA als besonders schamvoll erleben, dass der bisherige Freundeskreis der Insassen - speziell die Freundin - sich zumeist abwendet, dass die berufliche Zukunftsperspektive negativ ist und dass ausländische Jugendliche von der Abschiebung bedroht sind.
Um die Einsichtsbereitschaft bei den Jugendlichen zu erhöhen, wird im Rahmen der Präventionsunterrichte von den Gefangenen der Film „Cool, oder?“ (ein Tag in Untersuchungshaft im Zeitraffer) gezeigt. Die Gefangenen berichten von eigenen Erfahrungen, nutzen aber vor allem auch aktuelle Fragen und Probleme der Jugendlichen, die u.a. in verschiedenen Rollenspielen altersangemessen bearbeitet werden.
Beeindruckend für die Lehrkräfte war, wie interessiert alle Schüler an diesem Thema beteiligt waren und mit welcher Ernsthaftigkeit sie die Folgen kriminellen Handelns diskutiert haben. Deutlich wurde, wie schnell aus kleinen Straftaten eine Spirale von kriminellen Aktivitäten entsteht, an deren Ende sich unvorhersehbare Folgen für die Zukunft der betroffenen Jugendlichen ergeben.
Kommentare der Mitglieder des Projektes (Gefangene)
Volkert Ruhe:
Es ist mein Ziel den jungen Menschen klar zu machen, wie leicht es ist in Haft zu kommen und wie schwer es ist, die Haft und das Leben danach zu meistern. Weiter möchte ich sie motivieren, darüber nachzudenken, dass sie ihr Leben, dass ihrer Familien und das der Geschädigten durch kriminelles Handeln zerstören können. Irgendwann muss jeder für sein Tun die Verantwortung tragen. Das ist eine Last, unter der man leicht zusammenbricht.
Ivan Kirr:
Wenn einer denkt, Knast könne ihm nichts anhaben, das ganze könne er auf einer Arschbacke absitzen, dann sollte er sich Gedanken machen, welch ein Leid er den Leuten, den Menschen um sich herum, zufügt - vor allem Gedanken darüber machen, wie eine Familie, eine Mutter oder sein Vater oder ein Mensch, der einen gern hat, in solch eine Situation gebracht, fühlt.
Recep Soylu:
Nach einigen Jahren der Haft bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die familiäre Beziehung nicht nur auf der Eltern- und Kinder-Basis bestehen sollte, sondern auch eine freundschaftliche Brücke aufgebaut werden muss. Dies möchte ich den Jugendlichen vermitteln, damit sie sich bei aufkommenden Problemen an ihre Eltern wenden:"Wenn ein Schaf die Herde verlässt, wird es von den Wölfen gefressen."
Kamil Aydingünes:
Ich mache gern bei GhJ mit, weil ich junge Menschen darauf aufmerksam machen möchte, dassdiese Art von Leben einen nicht weiter bringt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich möchte den Jugendlichen von meinen Fehlern erzählen, damit sie darüber nachdenken können. ich hoffe, dass sie dann den richtigen Weg einschlagen.
Thomas Eichner:
Ich weiß, dass vielen Jugendlichen der Ansprechpartner fehlt, in dieser Situation suchen Sie sich die falschen Freunde und lassen sich leicht ins kriminelle Milieu ziehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, sich wieder aus diesem Umfeld zu lösen. Daher möchte ich die jungen Leute rechtzeitig aufklären.
Anschrift
Berufsbildende Schule 3
der Region Hannover
Ohestr. 6
30169 Hannover
Telefon: 0511-22068-0
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